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METAL PROVIDER |by Sascha Maurer

Punkte: 9/10

Der Titel ist schon mal sehr bedeutungsschwanger, die Musik hingegen verfolgt trotz ihrer Zuordnung in den Progressivbereich eine klare Linie. Die verspielten Songs beinhalten eine Menge Melodien, die ein warmes, Geborgenheit assoziierendes Gefühl vermitteln. Es beginnt also schon mal positiv und geht auch dementsprechend weiter. Diese jungen Norweger, die alle die 20 erst angekratzt haben müssen, zaubern ein Geflecht aus Noten, in dem sich die Seele des gespannt Lauschenden verfängt. Obwohl die meisten Songs nun nicht so heavy sind, ist ihre Intensität gewaltig. Man fühlt sich vielerorts an ähnlich gelagerte Bands wie die 70er Ikonen Yes erinnert, die ebenfalls eine Brücke zwischen völlig irrsinnigen Instrumentalpassagen und melodischen Parts mit ergreifenden Vocals schlugen. Wobei hier die Stimme kein dünnes Falsettgefiepse ist, sondern etwas tieferer, beschwörender Gesang mit eben jenem warmen Feeling. Gerne schwelgen Circle's End in ruhigen, angejazzten Songabschnitten, bevor sie die Tollwut packt und verquere Läufe und Rhythmen durch ihre Hände gleiten und ihren Instrumenten entspringen. Abartig, wie locker sie selbst die schwierigsten Parts meistern und dann auch noch jenen Momenten einen nicht unerheblichen Wiedererkennungswert, ja beinahe schon Eingängigkeit verleihen. Allerhöchstens der Sound ist etwas zu sauber, ansonsten hätte man sie schon in die 70s Ecke stecken können, wobei sie nicht wirklich abkupfern, nein, absolut nicht. Ihre Melodien laden so manches Mal wahrhaft zum Träumen ein. Man schlendert durch eine große Stadt, läßt gedankenverloren die Menschen an sich vorüberziehen...nun ja, Ihr merkt, Circle's End ist keine Musik für schnelle Konsumenten. Man durchlebt ihre Songs. Besonders "Long Gone", Song Nr. 4 hat es mir angetan, so wunderschön, so verzweifelt schön ist die Stimme. So sanft die Instrumentierung. Ein melancholiegetrübter Blick zurück. Selbst eine Geige kommt in diesem Song zum Einsatz und verstärkt die Atmosphäre. Knackig wird es im weiteren Verlauf, kraftvoll rockende Momente übernehmen die Führung und leiten dieses Stück in eine völlig andere Richtung. Es ist nichteinmal ein Killergefrickel, sondern einfach nur beinahe geradlinige, mitreißende Rockmusik. Dann wieder die Rückbesinnung gen ruhige Melodien, welche jedoch auf eine gewisse Art bedrohlich wirken. Man spürt, daß sich da etwas zusammenbraut. Und wieder ein Umschwung in der Stimmung, wie ein aufkommender Sturm peitscht das Stück vorwärts, bevor es zurückfällt und ganz sanft um des Hörers Gemüt weht. Wundervoll arrangiert, kein Part ist hier überflüssig, es gibt keine Längen in diesem Stück, kein sinnloses Instrumentengewichse, wozu ja Progbands oftmals neigen, nein, hier ist alles fließend komponiert.

Und so sind alle Songs dieses Albums kleine kompositorische Meisterwerke, die trotz ihrer spieltechnisch höchstwertigen Instrumentierung und diverser Momente des Abflippens immer der Eingängigkeit und Nachvollziehbarkeit verhaftet bleibt, den Hörer zu fesseln und zu verzaubern mag. Progrock rules!