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RAGAZZI |by Volkmar Mantei

Bei vielen CDs frage ich mich, wie die Bands es geschafft haben, damit einen Plattenvertrag zu bekommen. Bei Circles End ist es genau anders herum. Warum diese einmalige, unverwechselbare und beeindruckende Musik von der Band selbst veröffentlicht werden musste, geht mir nicht auf. Die 8 Songs haben eine breite Basis, die musikalische Orientierung umfasst düsteren sowie symphonischen Progressive Rock und Alternative Rock. Damit liegen sie nicht ganz weit von Anekdoten, wobei die Ähnlichkeiten sich in Grenzen halten. Bestimmendes Instrument ist, ob gewollt oder nicht, die nasale Stimme von Karl Riis Jacobsen, die eine gewisse Ähnlichkeit zu der des R.E.M.-Sängers Michael Stipe hat. Musikalisch gibt es weniger Ähnlichkeiten zu R.E.M., obwohl der Gesang so eine versteckte Suche nach den musikalischen Mustern mit sich zieht. "In Dialogue With The Moon" beginnt mit dem Jazz-Fusion-Stück "The Fine Line" deftig und anspruchsvoll. Komplexer, knackiger Rock bricht das Thema auf und läßt das schöne Teil kurzweilig erscheinen. "Startlet Eye" beginnt balladesk und mit dem Gesang geht der unvermeindliche Vergleich mit R.E.M. einher. Der Song mit sperrigen und humorvollen Gitarrenläufen wechselt zwischen harten und stillen Passagen und eröffnet das improvisative Mittelstück ungemein lebhaft, virtuos und schräg. Das epische, aber schlichtere "Long Gone" wird von einem schönen Violinen-Solo gekrönt, bis die Band heftiger und komplexer rockt. "Sleepless" ist wieder eine anmutige Ballade, die in ihrem zweiten Teil nach einem Synth-Solo entspannt improvisiert. "Soliloquy" könnte die Single-Auskopplung sein, wenn progressive Alben heute noch solche Werbemätzchen geschenkt bekommen würden. Hier ist auch R.E.M. am ehesten rauszuhören. "This Day" gibt den Anekdoten-Vergleich , nur von "El Mar/La Mar" getoppt, der verstärkt skandinavische Momente trägt. Das abschließende "The Dead Is Me" ist ein rein akustisches Gitarren-Stück, in dem Karl Riis wie Michael Stipe singt. Nach 46 Minuten ist das wundervolle Album am Ende. Das ungewöhnliche "In Dialogue With The Moon" erweitert den progressiven Horizont mit kühler Stimmung und frischer Atmosphäre. Hoffentlich wird es Circles End mit seiner Ungewöhnlichkeit im konservativen Progressive-Lager nicht zu schwer haben, wer sich in die Musik der Schweden eingehört hat, kommt so schnell nicht wieder davon los.